Struktur. Die Ordnung der Gruppe

Arbeitsprinzipien Gruppendynamischer Supervision: 1. Wahrnehmung von Struktur und Prozess

Gruppendynamische Strukturmodelle bieten uns die Möglichkeit die Ordnung einer Gruppe zu beleuchten. Wie sind die Mitglieder zueinander positioniert? Welche Sachthemen und welche Beziehungsthemen werden bearbeitet? Welche davon sind besprechbar, bewusst oder unbewusst in der Gruppe vorhanden? Welche Rollen, Normen und Werte sind wahrnehmbar?

Der Eisberg

Wie viele andere nutze ich den Eisberg als Metapher um Ordnung in die vielzähligen Strukturebenen von Gruppe zu bringen. Das Eisbergmodell beschreibt auf verschiedenen Ebenen die Strukturen von und um Gruppen. Dabei wird unterschieden, was über Wasser (wahrnehmbar), unter Wasser (bedingt oder nicht wahrnehmbar) und was in der Tiefe (unbewusst) auf die Gruppe wirkt. Aber auch ein Eisberg ist durch seine Umwelt beeinflusst und unterliegt Meeresströmungen oder steigenden (Wasser-) Temperaturen (Kontext). Daraus ergeben sich verschiedene Faktoren, die für die Struktur einer Gruppe relevant sind (angelehnt an Budziat/Kuhn (2021); König/Schattenhofer (2010) und erweitert):

Die äußere Struktur der Gruppe ist im Bild des Eisbergs durch die Umwelt repräsentiert.

  • Die Kontextebene beschreibt die relevante gemeinsame Umwelt der Gruppe und die kulturellen und institutionellen Rahmenbedingungen. Diese bestehen aus dem relevanten öffentliche Diskurs mit „Wissen, Normen, Werte und Sprach- /Bildern“ und „Politiken und Gesetze, rechtlich verankerte Praxen sowie Regeln, Normen und Sitten“ (Czollek et al. 2019, S. 26). Ebenfalls Teil des Kontextes sind materielle, sozio-ökonomische und demographische Verhältnisse.

  • Auf der Sachebene sind für uns die spezifischen Rahmenbedingungen der Gruppe sichtbar. Im beruflichen Kontext legt die Organisation die Ziele einer Gruppe fest und stellt dafür Ressourcen zur Verfügung. Gruppen beschäftigen sich mit bestimmten Themen oder Aufgaben, die die Interaktion prägen.

Die Gruppenstruktur liegt an der Wasseroberfläche und ist mal sichtbar und mal verborgen, je nach Seegang.

  • Beziehungen und Konflikte zwischen den Mitgliedern der Gruppe, die herausgebildeten Normen und die vorgegeben oder gewachsenen Rollen innerhalb der Gruppe befinden sich auf der soziodynamischen Ebene.

Die innere Struktur der Gruppe(nmitglieder) liegt unter Wasser und kann nur bei Tauchgängen mit gut geschulten Guides erkundet werden.

  • Auf der psychodynamischen Ebene jedes Mitglieds der Gruppe liegen Ängste oder Bedürfnisse gegenüber der Gruppe. Die Mitglieder haben Übertragungen und Gegenübertragungen zu anderen Mitglieder und sind davon in ihrem Handeln beeinflusst.

  • In der Tiefsee liegt die Ebene des Unbewussten, dort finden wir …

Diese Version des Eisbergs ähnelt den Interpretationsebenen von Buer (1999). Sein Modell beschreibt unterschiedliche Perspektiven, die auf supervisorische Fragestellungen eingenommen werden können. Buer benennt folgende Ebenen von unten nach oben:

  • Innere Welten – Biografie und Psychodynamik

  • Zwischenmenschliche Welten – Gruppen-, Sozio- und Familiendynamik

  • Arbeitswelten – Organisationsdynamik und -kultur, Felddynamik

  • Äußere Welten – gesamtgesellschaftliche Dynamiken und Kontext (vgl. Buer 1999)

Gruppendynamische Praktiker*innen beleuchten die Ebene zwischenmenschlicher Welten in ihrer Dynamik mit den anderen Ebenen. Im Folgenden benenne ich kurz weitere gängige gruppendynamischen Modelle, die die Struktur von Gruppen beschreiben.

Gruppendynamische Strukturmodelle

Gruppendynamische Strukturmodelle erklären mit Blick auf den Eisberg vorwiegend die soziodynamische Ebene. Diese ist beeinflusst durch die oberen und unteren Ebenen, die Modelle adressieren aber Vorgänge, die „alle Anwesenden beobachten und deren Auswirkungen sie empfinden, die aber […] nicht ins Gespräch gebracht werden“ (König &Schattenhofer 2010, S. 29). Hierzu gehört die Verhandlung von Beziehungen, Konflikte, Rollen und Status. Modelle, die ich hier verorte, sind:

Modelle, die grundlegende (Such-)Bewegungen von Menschen in Gruppen formulieren (bspw.):

  • Der gruppendynamische Raum (Amann 2003) beschreibt die Aushandlung von Elementarthemen und -differenzen in Gruppen.

  • Grundannahmen für Gruppen (Bion 2001) beschreibt typisches Verhalten von Gruppen in psychoanalytischer Tradition.

Modelle, die Entwicklung von Rollen beschreiben:

  • Das Rangdynamik Modell (Schindler 1957) beschreibt die Interaktion und Ausbildung von Rollen.

  • Teamrollen nach Belbin (1993) beschreiben handlungs-, kommunikations-, und wissensorientierte Rollen in Teams.

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Wahrnehmen von Struktur und Prozess

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Prozess. Die Gruppe in Bewegung